Höhe der gesetzlichen Rente –
was erwartet mich?

Im Folgenden möchten wir Dir einen Überblick über das in Deutschland vorherrschende gesetzliche Rentenmodell, die Berechnung des individuellen Rentenanspruchs sowie die gegenwärtigen Herausforderungen geben:

Wie funktioniert unser deutsches Rentensystem?

Unser Rentensystem basiert auf dem Umlageverfahren, bei dem die heute Erwerbstätigen die von den derzeitigen Rentnern bezogenen Renten finanzieren, bis sie selbst in Rente gehen und die nachfolgende Generation wiederum für ihre Rente aufkommt. Allerdings stößt das System an seine Grenzen, da die deutsche Bevölkerung immer älter wird und somit auch länger Rente bezieht. Hinzu kommt, dass seit Einführung des Rentensystems immer weniger Kinder geboren werden, was zu einem Mangel an Beitragszahlern führt.

Zum Vergleich: Vor 60 Jahren kam ein Rentenbezieher auf sechs Beitragszahler. Im Jahr 2020 waren es dagegen nur noch 1,8 Beitragszahler, die einen Rentner versorgt haben. Die Prognose für 2030 geht davon aus, dass ein Ruheständler voraussichtlich nur noch von 1,5 Beitragszahlern finanziert wird.

Welche Art von Renten gibt es?

Es gibt verschiedene Rentenarten, darunter die Altersrente, die Erwerbsminderungsrente und die Hinterbliebenenrente. Die Altersrente wird von Versicherten bezogen, die ihr Renteneintrittsalter erreicht haben. Damit ist die klassische Rente gemeint, die hier in unseren Überlegungen den Schwerpunkt der Aufmerksamkeit abbilden wird. Die Erwerbsminderungsrente sichert Menschen ab, die aufgrund von Krankheit nicht mehr oder nur noch teilweise arbeiten können. Die Hinterbliebenenrente dient der Absicherung von Angehörigen von Rentenversicherten. Es gibt auch Zuschläge auf die Altersrente, wie die Grund- und Mütterrente, die als Anerkennung von Kindererziehung oder zur Bekämpfung von Altersarmut gezahlt wird, obwohl sie keine eigenen Rentenarten sind.

Welche Rentenhöhe kann man erwarten und wie kommt diese zustande?

Im Umlageverfahren werden die eingezahlten Beiträge unmittelbar an die aktuellen Rentner ausgezahlt. Individuelle Ansprüche werden in Form von Entgeltpunkten, umgangssprachlich Rentenpunkten, gesammelt. Diese richten sich nach der Höhe des durchschnittlichen Arbeitseinkommens aller Versicherten und werden pro Erwerbsjahr ermittelt bzw. addiert. Mehr dazu weiter unten im Text.

Jeder Entgeltpunkt ist mit einem Geldwert, dem sogenannten Rentenwert, verknüpft. Das bedeutet, dass man ab dann pro Entgeltpunkt einen festgelegten Betrag in Euro erhalten würde. Falls man bereits im Ruhestand ist, kann die prozentuale Erhöhung einfach auf die aktuelle Rente aufgeschlagen werden.

Beispiel: Elisabeth aus Nürnberg erhält derzeit eine Rente von rund 1.100 Euro. Ab dem 1. Juli 2023 wird ihre Rente aufgrund der Erhöhung um 4,39 Prozent auf rund 1.150 Euro steigen.

Wenn man sich fragt, wie diese signifikante Rentenerhöhung trotz der aktuellen Krisen zustande kommt, kann man feststellen, dass die Lage auf dem Arbeitsmarkt aus Sicht der Rentenversicherung positiv ist. Es herrscht eine Rekordbeschäftigung, was zu höheren Beitragseinnahmen für die Rentenversicherung führt. Auch ist die Entwicklung der Löhne maßgeblich für Rentenerhöhungen.

Wie berechnet sich die Rente?

Eine Rentenerhöhung bedeutet in der Regel eine Steigerung des Rentenwerts. Die Rentenversicherung verwendet eine Formel, um die Entgeltpunkte in eine monatliche Rente umzurechnen:

Rentenhöhe = Entgeltpunkte x Zugangsfaktor x aktueller Rentenwert x Rentenartfaktor.

Ein Entgeltpunkt wird vergeben, wenn man im jeweiligen Jahr genau das Durchschnittseinkommen aller Versicherten erreicht. Da im laufenden Jahr noch nicht alle Daten vollständig vorliegen, wird das vorläufige Durchschnittsentgelt auf Basis der Lohnentwicklung der letzten zwei Jahre geschätzt. Im Jahr 2023 beträgt das vorläufige Durchschnittsentgelt brutto 43.142 Euro (West) bzw. 41.967 Euro (Ost).

Bei einem Einkommen, das nur die Hälfte des Durchschnitts beträgt, wird ein halber Entgeltpunkt gutgeschrieben, bei einem doppelten Einkommen werden zwei Punkte vergeben.

Der Zugangsfaktor berücksichtigt Auf- oder Abschläge, die sich aus einem vorzeitigen Ruhestand ergeben können. Wer mit dem gesetzlich vorgegeben Renteneintrittsalter in den Ruhestand geht, hat einen Zugangsfaktor von 1,0. Jeder Monat früher senkt die Rente um 0,3 Prozentpunkte. Ein um ein Jahr vorgezogener Renteneintritt kostet also 3,6 Prozent (der Zugangsfaktor beträgt in diesem Fall 0,964). Wer länger arbeitet, kann sich hingegen über mehr Geld freuen.

Jeder Entgeltpunkt ist mit einem Geldwert, dem sogenannten Rentenwert, verknüpft. Aktuell beträgt der Rentenwert 36,02 Euro (West) bzw. 35,52 Euro (Ost) pro Punkt.

Der Rentenartfaktor bezieht sich auf verschiedene Rentenarten, z.B. beträgt eine Teilrente bei teilweiser Erwerbsminderung nur die Hälfte einer vollen Rente. Hierauf wollen wir aber nicht näher eingehen, sondern rechnen pauschal mit dem Faktor 1 für den vollen Rentenbezug.

Rechner-Tool: DRV

Wie hoch ist die Durchschnittsrente?

Oft wird der Eckrentner als Modell für Berechnungen zur Rentenhöhe herangezogen. Der Eckrentner ist ein Verbraucher, der 45 Jahre lang immer Durchschnittseinkommen verdient hat. Ein solcher Rentner kann 2022/2023 mit einer Bruttorente von etwa 1.621 Euro in den alten und 1.598 Euro in den neuen Bundesländern rechnen. Nach Abgaben an die Kranken- und Pflegeversicherung und vor Steuern verbleiben dem Rentner noch knapp 1.423 Euro (West) bzw. 1.402 Euro (Ost).

Diese Werte sind jedoch keinesfalls mit der durchschnittlichen Altersrente in Deutschland zu vergleichen. Die aktuellsten Zahlen von 2022 zeigen, dass die durchschnittlich ausgezahlten Renten bei rund 993 Euro liegen. Es ist jedoch zu beachten, dass diese Zahl aus statistischen Gründen mit Vorsicht zu interpretieren ist. Zum Beispiel liegen die Renten von Frauen im Durchschnitt deutlich niedriger als die von Männern, wodurch auch der Gesamtdurchschnitt niedriger ausfällt.

Der Grund dafür ist, dass Frauen in der Vergangenheit weniger Chancen hatten als Männer, eine berufliche Karriere zu verfolgen und entsprechend höhere Rentenansprüche zu erwerben. Mit dem gesellschaftlichen Wandel ändert sich jedoch auch dieses Problem, und Frauen haben insbesondere in den alten Bundesländern in den letzten 20 Jahren deutlich aufgeholt, was Rentenansprüche und Versicherungsdauer betrifft.

Zusätzlich wurden mit der Mütterrente und den Kindererziehungszeiten Instrumente geschaffen, damit Frauen oder Männer auch durch die Betreuung von Kindern Rentenansprüche erwerben können.

Welche Informationen erhält man aus der jährlichen Renteninformationsmitteilung?

Sobald Du das 27. Lebensjahr erreicht hast und mindestens fünf Jahre lang versichert warst, erhältst Du von der Deutschen Rentenversicherung eine jährliche Renteninformation. Diese beinhaltet detaillierte Berechnungen zur Höhe Deiner vollen Erwerbsminderungsrente sowie Regelaltersrente, basierend auf Deinen bisherigen erworbenen Ansprüchen.

Darüber hinaus zeigt Dir die Renteninformation, wie sich Dein Rentenanspruch entwickeln könnte, sofern Du Deinen durchschnittlichen Verdienst der letzten fünf Jahre beibehältst. Die Renteninformation enthält auch eine Hochrechnung zur Rentenhöhe, die veranschaulicht, wie sich Deine Rente entwickeln könnte, wenn das Rentenniveau jährlich um 1 oder 2 Prozent angepasst wird.

Besonders in den ersten Jahren nach dem Berufseinstieg sind die Berechnungen zur Altersrente in der Renteninformation jedoch mit Vorsicht zu betrachten, da sie sich auf die vergangenen fünf Jahre stützen und auch Beitragszahlungen aus möglicherweise schlecht bezahlten Nebenjobs einbeziehen können. Es ist wichtig zu beachten, dass die prognostizierte Altersrente nach fünf vollen Berufsjahren in der Regel deutlich höher ausfallen sollte.

Grafik: Die Renteninformation – wo finden Sie was (Quelle: DRV Bund)

Seite 6 der DRV PDF: Die Renteninformation – mehr Wissen

 

In der Renteninformation werden Dir Bruttobeträge genannt. Davon musst Du noch deine individuellen Beiträge zur Kranken- und Pflegeversicherung sowie Steuern abziehen.

Zudem wird der Kaufkraftverlust durch steigendes Preisniveau (Inflation) nicht berücksichtigt. Dies macht es schwer, aus der jährlichen Renteninformation eine verlässliche Aussage zum gesetzlichen Rentenanspruch im Alter zu treffen.

Das Wichtigste nochmal in Kürze zusammengefasst:

  • Die durchschnittliche Rente liegt heute bei 993 Euro. Für viele wird allein die gesetzliche Rente aber nicht ausreichen.
  • Das Alter für den regulären Renteneintritt steigt schrittweise von 65 auf 67 Jahre. Gehst Du früher in den Ruhestand, bekommst Du weniger Rente.
  • Durch das Umlageverfahren und die demografische Entwicklung finanzieren immer weniger Beitragszahler immer mehr Rentner.
  • Die jährliche Renteninformation liefert nur einen groben Anhaltspunkt, wie hoch die gesetzliche Rente im Alter ausfallen könnte

Fakt ist, dass das derzeitige Rentensystem aufgrund des längeren Rentenbezuges durch die höhere Lebenserwartung bei gleichzeitig immer weniger Beitragszahlern vor einem gewaltigen Umbruch steht. Die gesetzliche Rente reicht häufig nicht aus, um auch im Ruhestand den gewohnten Lebensstandard fortzuführen. Die Differenz, die Dir fehlt, um weiterhin so zu leben wie vor dem Renteneintritt, beschreibt Deine Rentenlücke, auch Versorgungslücke genannt.

Wie ermittle ich meine Renten- bzw. Versorgungslücke?

Dazu sind 3 Fragen abzuklären:

  1. Wie hoch wird meine gesetzliche Rente voraussichtlich ausfallen?
  2. Wie viel Geld brauche ich insgesamt im Alter?
  3. Wie hoch ist die somit entstehende Differenz zwischen gesetzlichem Rentenanspruch und gewünschter Rente?

Frage 1: Wie hoch wird meine gesetzliche Rente voraussichtlich ausfallen?

Wenn Du deine Renteninformation zur Hand hast, siehst Du im Absatz Rentenanpassung die erwartbare Rente inklusive künftiger Steigerungen. Die Deutsche Rentenversicherung rechnet dabei mit 2 Szenarien, einer Steigerung mit 1 Prozent und einer Steigerung mit 2 Prozent.

Wenn man mit dem Durchschnittswert von 1,5 Prozent rechnen würde, ergäbe sich dadurch eine prognostizierte Brutto-Rentensumme. Würde man davon noch pauschal 20 Prozent für Steuern und Sozialabgaben abziehen, hätte man die vorläufige Nettorente.

Frage 2: Wie viel Geld brauche ich im Alter?

Pauschal lässt sich sagen, dass Du wenigstens 80 Prozent deines letzten Nettoeinkommens im Alter zur Verfügung haben solltest.

Je nach Höhe des Einkommens kann es aber sinnvoller sein, die gewünschte Rente mittels eines Haushaltsbuches zu ermitteln. Hierzu solltest Du alle monatlichen Ausgaben, also deine Miete, deine Nebenkosten und Verbindlichkeiten, Geld für Freizeitaktivitäten und Konsum zusammenrechnen und einen großzügigen Aufschlag für Ausgaben, die im Alter anfallen, addieren. Denn in der Regel hast Du im Alter mehr Freizeit und auch entsprechende Gesundheitskosten und gibst somit auch mehr Geld aus.

Frage 3: Wie hoch ist die Differenz zu meiner gesetzlichen Rente?

Nachdem Du ermittelt hast, wie hoch deine gesetzliche Rente ausfallen wird und wie viel Geld Du insgesamt im Alter zur Verfügung haben möchtest, kannst Du nun deine Renten- bzw. Versorgungslücke ermitteln.

Rentenlücke = Wunschrente minus voraussichtlicher gesetzlicher Rente

Die Wunschrente ermitteln wir anhand eines Beispiels: Steffi ist aktuell 32 Jahre alt und verdient 2200,- Euro netto. Gehen wir der Einfachheit halber pauschal von 80 Prozent aus, dann wären das 1760,- Euro, die Steffi im Alter zur Verfügung haben möchte.

Den Anspruch aus der gesetzlichen Rente ermitteln wir aus der Renteninformation, die Steffi jährlich erhält. Mit dem Mittelwert von 1,5 Prozent aus der Rentenanpassung und dem pauschalen Abzug von 20 Prozent für Steuern und Sozialversicherungen, bliebe ihr eine gesetzliche Nettorente in Höhe von XXX Euro.

Die Differenz aus beiden Werten ergibt eine monatliche Versorgungslücke in Höhe von XXX Euro. Berücksichtigen wir eine Inflation von durchschnittlich 2 Prozent, müsste Steffi die Summe XXX heute monatlich so anlegen, dass die Rendite mindestens 2 Prozent beträgt, damit die Inflation abgedeckt ist. Für die Wahl der geeigneten Anlageform gibt es verschiedene Handlungsempfehlungen, die immer auch auf den Haushalts- und Finanzplan eines jeden einzelnen abgestimmt werden müssen.

Wir hoffen, dass Du anhand der Berechnungsgrundlagen und Beispiele eine entsprechende Einschätzung deiner eigenen Situation vornehmen konntest. Wie du nun am besten vorgehst, erläutern wir dir gerne in einem kostenlosen Erstgespräch. Klicke einfach auf den Button und wähle einen Termin bei einem unserer Experten aus.